Stefan und ich hatten als Vorbereitung auf die olympische Distanz in Düsseldorf ein ganz besonderes Schmankerl auf dem Plan stehen, namentlich den 11. MRRC Stadt-Triathlon über die Volksdistanz auf dem Olympia-Gelände in München. Da wir ohnehin mit unseren Frauen für dieses Wochenende einen Aufenthalt in der bayerischen Landeshauptstadt geplant hatten, stand einer Teilnahme abgesehen vom Transport der Räder nichts im Wege.

Schauplatz des Schwimmens sollte das Olympiabad sein, in dessen Wasser dereinst Mark Spitz anno 1972 bei den olympischen Spielen mehr Weltrekorde aufgestellt hat, als unsereins Finger an einer Hand hat. Beste Voraussetzungen also…sollte man meinen…

Erste Hürde bei der Anmeldung war die Angabe einer Schwimmzeit über 400m. Moment mal, 400m? Sind bei einem Triathlon über die Volksdistanz nicht in der Regel 500m zu absolvieren? So weit, so richtig, so ungewöhnlich. Die Damen und Herren vom ausrichtenden München Road Runners Club e.V. hatten sich etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Anstelle des bspw. in Brand praktizierten Gruppenstarts mit 6-8 Teilnehmern auf einer Schwimmbahn, erfolgte in München ein Jagdstart mit Abständen von 8 bzw. 12 Sekunden zwischen den Teilnehmern. Die ersten 50m mussten auf Bahn 1 zurückgelegt werden, die zweiten auf Bahn 2 usw. Nach 400m erreichte man auf diese Weise das Ende von Bahn 8 mit einem recht komfortablen Treppenausstieg. Dazu später mehr.

Nachdem wir nun unsere 500m Trainings-Schwimmzeiten auf 400m umgerechnet und die Anmeldung erfolgreich durchgeführt hatten, kam eine Woche vor dem Wettkampf die Überraschung per E-Mail. Aufgrund unserer formidablen Schwimmzeiten durften wir in der „Elite“-Gruppe starten! Endlich wurde unser „Talent“ angemessen gewürdigt…

Erholt vom „Schock“ dieser Ehre, machten wir uns sonntags morgens auf den Weg in den Olympia-Park. Es gab leider auch Wetter in München: 11°C Außentemperatur, ergiebige Regenschauer und reichlich Wind. Egal, Startunterlagen abgeholt, Wechselzone eingerichtet und dann nichts wie rein ins Olympiabad, da unmittelbar nach Abschluss der Vorbereitungen ein recht beeindruckendes Gewitter über dem Olympiagelände hernieder ging. Im Olympiabad angekommen, wartete die nächste Überraschung auf uns. Der Start erfolgte nicht wie erwartet (und trainiert) vom Startblock, sondern an der „langen“ Seite der Schwimmbahn 1. Mit anderen Worten, der Teilnehmer startete am Beckenrand, überquerte die Zeitnahme-Matte, um anschließend nach zwei weiteren Schritten mit einem beherzten Sprung schräg ins Becken einzutauchen. So war es wohl zumindest theoretisch vorgesehen. Da wir recht früh in der Halle waren, konnten wir uns in aller Ruhe anschauen, wie die Starter der „Volks“-Gruppe diese Aufgabe lösten. Die Lösungsansätze waren zum Teil durchaus „kreativ“, so dass unser Amusement nicht zu kurz kam. Im Gegenteil!

Nachdem die „Volks“-Gruppe Männer und im Anschluss die „Elite“-Gruppe der Frauen gestartet waren, kamen wir an die Reihe. Stefan eröffnete den Wettkampf mit einem technisch sauberen Sprung ins Becken. Einige Minuten später wurde ich dann auch zu Wasser gelassen. Trotz 12 Sekunden Startabstand stand für mich bereits nach 75 Metern Schwimmstrecke der erste Überholvorgang an, der jedoch aufgrund der Einbahnstraßenregelgung kein Problem darstellte. Am bereits erwähnten Treppenausstieg am Ende der Bahn 8 standen zwei sehr motivierte Helfer bereit, die die Athleten auf die Stufen zogen. Ich hatte kurzzeitig etwas Sorge, dass der junge Mann an der rechten Seite mir den Arm ausreißen wollte, aber letztlich bekam ich problemlos Boden unter die Füße. Also raus aus dem Becken und dem Olympiabad und ab in die Kälte und über die Zeitnahmematte. In der Wechselzone noch schnell einen Konkurrenten von meinem Rad „entfernt“ und los. Die Wechselzone befand sich auf der Liegewiese des Olympiabads und hier auf dem Rasen hatten der Regen und die bereits vor uns gestarteten Teilnehmer doch deutliche Spuren hinterlassen. Statt der Farbe Grün dominierte ein schmutziges Braun die Szenerie. Kurzzeitig kam der Wunsch nach Mountainbike-Schuhen auf. Bloß nicht auf die Nase legen, über den Hügel und ab aufs Rad. Zu absolvieren waren insgesamt 5 Runden (20,7km). Trotz der außergewöhnlichen Kulisse (die Strecke führte u. a. durch das Olympiastadion) hatte Stefan aufgrund der Witterungsbedingungen bereits nach einer Runde keine Lust mehr und bog in die Wechselzone ab. Einer der zahlreichen hilfsbereiten Helfer lotste ihn dann aber wieder auf die Strecke. Der mitgereiste Fanclub hatte es verständlicherweise nach meiner zweiten Runde vorgezogen, ein trockenes Plätzchen aufzusuchen. Dieser Umstand wurde jedoch durch eine Samba-Trommelgruppe kompensiert, die sich schallgünstig unter einer Brückendurchfahrt postiert hatte. Die Geräuschkulisse an diesem Streckenabschnitt war sehr eindrucksvoll… Ab der dritten Runde wurden meine Beine so langsam warm und es fing an, durchaus Spaß zu machen, auf diesem technisch sehr anspruchsvollen Kurs zu fahren. Mehrere Tordurchfahrten, eine abschüssige 135°-Kurve, zahlreiche 90°-Biegungen und kurze Kopfsteinpflasterpassagen ließen keine Langeweile aufkommen. Zurück in der Wechselzone noch schnell einen Mitstreiter von seinem Helm befreit (er hatte kein Gefühl mehr in den eiskalten Fingern und bekam den Kinnriemen nicht auf) und das Laufen in Angriff genommen. Hier galt es eine Wendepunktstrecke viermal zu absolvieren (5km). Angenehmer Nebeneffekt dieser Streckenführung war, dass man den Mannschaftskollegen abklatschen und verbal motivieren konnte. Zudem hatte der Fanclub viermal die Gelegenheit, die Krähathleten zu Höchstleistungen anzutreiben.

Nach der Überquerung der Ziellinie schnell in den reichhaltigen Verpflegungsbereich, der wiederum im Olympiabad aufgebaut worden war, was sich aufgrund der Außentemperatur als äußerst angenehm erwies.

Vor allem aufgrund der widrigen Bedingungen muss man dem Veranstalter und der Vielzahl der überaus freundlichen und hilfsbereiten Helfer ein großes Lob für die ausgezeichnete Organisation aussprechen. Eine erstklassige Veranstaltung vor toller Kulisse.

Die sportlichen Leistungen standen dem in nichts nach:

Name

Platzierung
Gesamt

Platzierung
Altersklasse

Swim

T1

Bike

T2

Run

Gesamt-
zeit

Scheufeld,
Oliver

265

43

7:45

1:46

39:24

2:22

25:41

1:16:58

Buhr,
Stefan

442

68

8:05

2:40

41:49

2:48

26:16

1:21:38

Insgesamt erreichten an diesem Tag 1065 Teilnehmer-/innen das Ziel über die Volksdistanz.