Die Veranstalter werben für ihre Mountainbikerennen durch die Umgebung von Theux mit dem Spruch „le chic des yeux, le choc des mollets“ - der Schick für die Augen, der Schock für die Waden. Der „Schick“ der Landschaft ist großartig und ein Genuss, sofern man es schafft, den Blick beim Überfahren einer Höhe der Umgebung zu überlassen. Der Schock für die Waden ist allerdings erheblich nachhaltiger und trübt mit zunehmender Distanz den Blick.

Ziel und Anmeldung befanden sich außerhalb vom Ort La Reid auf dem als Côte du Maquisard bekannten Hügel. Gestartet wurde direkt im Ortszentrum. Nach der Anmeldung Startnummer befestigt und runter zur Startaufstellung. Im ersten Block die Topfahrer, dahinter die Voranmelder und dann der Block mit den Nachmeldern. Die Blöcke wurden nacheinander gestartet. Durch eine Gasse ging es gleich wieder hoch, vorbei am Zielbereich und über einen Schotterweg in rasendem Tempo bergab. Dichter Staub, Steine flogen, eine Straße überquerend in einen Hohlweg hinein, vorbei am Schild „20 km“. Stoooop – hier stimmt was nicht. Flüche in viel Niederländisch und etwas Französisch, von unten drängten die Ersten zurück, die von oben Nachkommenden mussten aber erst überzeugt werden. Dann rauschte noch das inzwischen gestartete 50-km–Rennen in den Haufen, die waren aber auf der richtigen Strecke. Nach vielem hin und her schoben alle wieder hoch und fuhren über umliegende Wege und Straßen zurück zum Zielbereich, um dort auf den richtigen Pfad zu gelangen. Hier ging aber gerade das 70-km-Rennen auf die Strecke, also warten und dann hinterher. Die Wege und Pfade waren voll, an jeder kleineren Schwierigkeit oder an einem steilem Anstieg kam alles zum Stehen. Warten, Drängeln, das Bike schiebend vorbei rennen, pure Hektik. In der Ergebnisliste haben die Startnummern ab etwa 300 bis zur 1. Zeitnahme rund 30 – 40 Minuten länger gebraucht, der hintere Startblock war an der Streckenteilung falsch geleitet worden.

Langsam sortierte sich das Feld, steile Rampen durch unwegsames Gelände hoch, wilde Hohlwege mit Felsstufen und Geröll bergab, Wurzelpfade, Schlammpassagen, durch Bäche. Die Streckenplaner hatten alles was die Ardennen in diesem Gebiet an Schwierigkeiten hergaben aneinandergereiht. Auf den ersten 20 km wurde eine Schleife nach Süden gefahren (Desnié, Winamplanche) und zurück zum Zielbereich mit der ersten Verpflegung. Diese fiel wieder reichhaltig aus, Powerriegel, Reisfladen, Kekse süß und salzig, Obst, verschiedene Getränke. Dann weiter auf einen kurvenreichen, kreuz und quer durch den Tannenwald abgesteckten Trail, weiter in nordwestlicher Richtung (Bècô, Jevoumont, Pepinster) und zurück bis Theux. Als einer der Höhepunkt dann hoch zum Château Franchimont, nach 60 km beißt sich der steile und steinige Pfad in die Waden. Dann eine Schleife nach Westen (Sassor, Polleur, Spa).

Die Ardenne-Trophy bietet einen technisch höchst anspruchsvollen Kurs, jeder Hang wird gleich mehrfach genutzt, nach steiler Abfahrt eine 180-Grad-Kehre und gleich wieder hoch, nichts für empfindsame Naturen, 2400 Höhenmeter wollen „erfahren“ werden. Es dauerte bis zu meinem zweiten Sturz, ehe ich die Schilder mit der Aufschrift „SLOW“ verstand. Es muss für „nicht fahrbar“ oder „steiler Abhang“ stehen, jedenfalls galt das für mich. Wer bei Kilometer 80 glaubte, es geschafft zu haben, hatte die Streckenplaner noch nicht verstanden. Die letzten 10 km boten noch rund 200 Höhenmeter mit langen und steilen Rampen durch unwegsames Gelände bis kurz vor dem Zielstrich.

Von 596 Startern erreichten 414 das Ziel, 182 schieden aus oder wurden disqualifiziert, da sie nicht alle Messpunkte passiert hatten.

Als 313. (24. MA3) kam ich nach 6:37:23 Stunden mit etwa 4 Reisfläden im Bauch ins Ziel, Schnitt 13,6 km/h. Die Fahrzeit ohne Pausen betrug 5:41:19 Stunden, Schnitt 16,9 km/h (schon besser, durch den „Fehlstart“ betrug die Distanz etwa 93 km).

Ergebnisse, Fotos auf der offizielen Webseite.

Ardennen-Trophy

Strecke und Höhenprofil