Nachdem Rund um Köln als erstes Rennen der Saison krankheitsbedingt ausfallen musste, wollte ich zumindest beim letzten Rennen der Saison, der sechsten Austragung des Münsterland-Giros, dabei sein. Und was ich mir einmal vorgenommen habe, das führe ich auch aus – meistens jedenfalls. Schade war jedoch, dass ich als einzige Krähe an den Start ging.

Da es diesmal – im Gegensatz zu Rund um Schmidt – auch mit ein paar intensiveren Trainingseinheiten in den Wochen vor dem Rennen geklappt hatte und ich mich nicht nur wirklich gesund fühlte, sondern auch eine aufsteigende Formkurve verzeichnen konnte, stieg die Vorfreude von Tag zu Tag. Und dann war da noch die Wettervorhersage – Sonne satt und Temperaturen bis zu 27 Grad! Wann hatten wir das zuletzt an einem 3. Oktober?

Endlich kam der große Tag! Ankunft in Münster um 8.00 Uhr bei Nebel und gerade mal 9 Grad! Nach ein paar Kilometern zum „Warmfahren" hieß das Bibbern im Startblock B, denn es waren ja 27 Grad vorhergesagt und da trägt man natürlich kein Gramm Textil zuviel. Nachdem verkündet wurde, dass sich insgesamt knapp 1000 Rennfahrer für die 140 Km-Strecke entschieden hatten, erfolgte pünktlich um 9.15 Uhr der Start¬schuss. Schon wenige Meter nach der Startlinie muss es im Startblock A eine Massenkarambolage gegeben haben, zumindest sah man etliche lädierte Fahrer und Räder rechts und links der Strecke. Auch später im Ziel hörte man von vielen Stürzen und sah auch etliche Fahrer mit den typischen Schürfwunden an Händen, Ellenbogen und Knie-gelenken. Ich beschloss also es erst einmal ruhig angehen zu lassen, musste dann aber feststellen, dass ich in einer etwa 15köpfigen Gruppe gelandet war, die einfach viel zu langsam fuhr. Aus Mangel an Alternativen beteiligte ich mich daher auf den ersten 30 Km viel an der Tempoarbeit. Schließlich kam eine 5er Gruppe mit deutlich höherem Tempo vorbei, der ich mich als einziger sofort anschloss. Nach etwa 15 Km und einer durchgängigen Herzfrequenz von um 180 Schlägen, musste ich erkennen, dass diese Jungs einfach zu schnell für mich waren. Ich fiel also hinten raus und fuhr erst einmal alleine in Richtung der ersten Anstiege. Glücklicherweise konnte ich mich dann kurze Zeit später erneut einer fast 20köpfigen Gruppe anschließen, die in etwa mein Tempo fuhr. Um das Motto „Wir geh'n steil!" nicht Lügen zu strafen, kam dann ab Kilometer 48 mit dem Malepartus der erste Anstieg: knapp 150 zu überwindende Höhenmeter auf einer Strecke von etwas mehr als 2 Km, also etwa 7-10% Steigung. 

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Ähnliche Anstiege gab es auf den folgenden 50 Kilometern, neben kleinen, teilweise giftigen Hügeln noch etwa dreimal, und auch die Abfahrten hatten es mit über 10 Prozent Gefälle durchaus in sich. Geschwindigkeiten von bis zu 70 Stunden¬kilometer wurden locker erreicht und die eine oder andere Kurve stellte eine echte Herausforderung dar, weil in der Gruppe die Ideallinie oftmals keine Option darstellte. Dennoch bin ich die Berge nicht nur gut runter, sondern auch erstaunlich gut hoch gekommen. Lag es daran, dass ich abgenommen habe, oder daran dass die Form stimmt? Vielleicht ist es aber auch nur ein subjektiver Eindruck, der daher rührt, dass mich keine der sonst teilnehmenden Krähen gnadenlos am Berg hat stehenlassen? Wie dem auch sei – mir ging es gut! Auch die Sonne sorgte inzwischen für angenehme Temperaturen. Leider gingen daher auch meine Trinkvorräte zu Ende. Ab Kilometer 105 hatte ich dann mit Krämpfen zu kämpfen – sicher aufgrund der Dehydration. Ein Gel konnte ich jetzt auch nicht mehr „einwerfen", denn wie sollte ich es runterspülen? An einer Verpflegungsstation anhalten und den Anschluss an meine Gruppe verlieren? Nie im Leben! – schließlich handelt es sich hier um ein Rennen! Also hieß es, Zähne zusammenbeißen und dran bleiben. Immerhin lagen die „Berge" hinter uns und es ging flach nach Münster zurück, allerdings im Gegenwind. An Führungsarbeit war – zumal sich die Temperaturen inzwischen tatsächlich im hochsommerlichen Bereich bewegten - nicht mehr zu denken. Die übernahm zu 80% ein geschätzt sicher über 60 jähriger Holländer, der dann albernerweise auf der Zielgerade von leicht übergewichtigen „Hinterradlutschern" in einem überaus gefährlichen Sprintmanöver ausgespurtet wurde. Für mich endete der Münsterland-Giro mit einem sehr netten Gespräch mit eben diesem Holländer, alkoholfreiem Bier, einer Portion Pasta und einem tollen Radsportnachmittag, den ich mit meiner Familie beim Anschauen des Profi-Rennens verbracht habe.

Insgesamt fällt mein Fazit sehr positiv aus: Die Veranstaltung ist perfekt organisiert, die Stimmung an der Strecke ist super und auch das Rahmenprogramm (Messe etc.) wird immer professioneller. Auch das Profirennen ist inzwischen mit Fahrern wie Greipel, O'Grady, Gerdemann, Degenkolb wirklich hochkarätig besetzt.

Nur an meiner Platzierung und meiner Zeit ist – wie könnte es anders sein - noch Luft nach oben:

Ich belegte etwa 29 Minuten hinter dem Sieger Sandro Kühmel Platz 508 in der Gesamtwertung (Platz 215 in der Altersklasse Master 2 M) mit einer Zeit von 4:12:44 für insgesamt 143,3 Km.

Näheres zu Strecke, Höhenprofil und Ergebnissen findet man auf der Webseite: www.sparkassen-muensterland-giro.de