Auf der Kermeter-Tour durch die Eifel und wie es dazu kam. Albrecht schildert seinen Weg zu den Krähen und berichtet von den Ausfahrten.

Nachdem ich über die Internet-Seite des Radsportclubs Krähe Kornelimünster e.V, Kontakt aufgenommen hatte, bekam ich auch prompt Antwort. Um den RSC Krähe Kornelimünster kennenzulernen sei es am besten, so die Kontakt-Krähe, wenn ich mich sonntags vor der Bahnhofsvision zur wöchentlichen Ausfahrt einfinden würde. Gesagt getan - da stand ich nun kurz vor zehn in voller Montur und erst einmal tat sich gar nichts. Erste Zweifel kamen auf - war es tatsächlich sonntags? Stimmt die Uhrzeit? Doch dann erschienen die ersten Krähen in ihrem blauen Trikots. Gleich darauf gings los, Richtung Holland. Eine Krähe vorne weg und ich dachte mir: „Donnerwetter, was für ein Tempo - das wird heute aber ganz schön anstrengend!“ Dann fiel mir auf, dass die anderen gar nicht versuchten, dran zu bleiben. Während ich noch mit dem Konflikt zu kämpfen hatte, ob ich nun vorne bleibe oder mich zu den anderen zurückfallen lasse, löste sich dieses Problem von ganz alleine. Die führende Krähe entschied sich kurz hinter dem Dreiländerpunkt, wieder zurück nach Hause zu fahren. Also waren es nur noch drei. Kurze Zeit später ein erneuter Stopp. Es wurde diskutiert, ob heute eine große Runde oder eine kleine Runde gefahren wird. Da man sich nicht einigen konnte, teilte sich die Gruppe nochmals, einer fuhr Richtung Teuven/ Slenaken, die anderen, denen ich mich anschloss, fuhren ganz gemächlich über Hombourg nach Kornelimünster zurück. Während ich darüber nachdachte, was für seltsame Vögel diese „Krähen“ doch sind und ich mir vornahm zu Hause das Stichwort „Krähe“ noch mal im Lexikon nachzuschlagen, erfuhr ich in der nächsten Stunde doch so einiges über das Vereinsleben des RSC Krähe Kornelimünster e.V. Neben den Veranstaltungen der zurückliegenden Saison wurde vor allen Dingen von dem nächsten Event gesprochen - der Mountain-Bike-Tour rund um den Kermeter. Da ich nicht wusste, wer, was oder wo dieser Kermeter ist, mir aber schien, dass dies eine gute Gelegenheit ist, den Rest des Vereins kennenzulernen, habe ich noch mal bei der Kontakt-Krähe nachgefragt. Seine Auskunft lautete, dass die Kermeter-Tour eine gemütliche Ausfahrt zum Rursee sei, wo man schließlich in einem Cafe bei zwei betagten Damen einkehre, um dort leckeren selbstgebackenen Kuchen zu Preisen aus den 50er Jahren zu verzehren. Ich dachte klingt gut, ist bestimmt super.

Dann kam der mit Spannung erwartetet Sonntagmorgen und diesmal waren die ersten Krähen sogar pünktlich. Obwohl bescheidenes Wetter gemeldet war, fuhren wir zunächst bei sonnigem Herbstwetter Richtung Mulartshütte, sammelten eine weitere Krähe auf und begaben durch Nebel und Wind zu den Scout-Krähen von Simmerath, bei denen erst einmal Bananen verzehrt und Wasserflaschen aufgefüllt werden konnten. Kurz darauf gings weiter Richtung Rurberg. Auf den Bergabpassagen war es eisigkalt und inzwischen tröpfelte es auch ein wenig. Eine der Krähen hatte vergessen, was er eigentlich ist und fluchte wie ein Rohrspatz. In Rurberg trafen wir dann die motorisierten Krähen und waren nun endlich vollständig. Nun ging die eigentliche Tour erst richtig los.

Wir fuhren am Rursee entlang, Berge hinauf, an Burg Vogelsang vorbei, wo sich eine der Krähen als Kultur-Krähe outete und allerlei Interessantes über nackte arische Männer auf Wänden von Schwimmbädern zu erzählen wusste, sowie über die Wasserversorgung des Schwimmbades durch Abwasseraufbereitung (etwas eklig, oder?). Weiter gings über eine gerade neu eingeweihte Hängebrücke, die ein Großteil des Vereins dazu provozierte, sich als Destruktor-Krähen der wandernden Öffentlichkeit zu präsentieren. Die Brücke geriet in Schwingung, aber sie gab nicht nach. Die folgenden Passagen führten uns durch eine traumhafte herbstliche Kulisse mit Ausblicken von atemberaubenden Schönheit, die aber nur so an uns vorbei flogen, weil das Tempo nun derart forciert wurde, dass man sich vor allem auf das Hinterrad des vorausfahrenden Kollegen konzentrieren musste. Wieder gings bergauf. Plötzlich wurde eine Krähe vermisst. Während telefoniert und diskutiert wurde, bis endlich klar war, dass die vermisste Krähe einen kürzeren Weg zum Cafe eingeschlagen hatte, war ich hauptsächlich damit beschäftigt zu atmen. Ein wenig wunderte ich mich schon darüber, dass die anderen noch sprechen konnten. Weiter gings.

Es folgten Höllenabfahrten, die ich als Mountain-Bike-Anfänger nach zwei Stürzen etwas vorsichtiger angehen ließ, was ein älteres Ehepaar zu der Bemerkung veranlasste: „Die anderen haben sich hier mit sechzig Sachen runtergestürzt“. Ich fand, das hätten sie auch für sich behalten können. Langsam pfiff ich auf dem letzten Loch - wann endlich kommt dieses verfluchte Cafe? Die Zeit schien endlos - noch ein Kurve, noch eine Gerade, noch ein Anstieg. Dann endlich, die Krähen versammelten sich vor einem Gebäude, doch wo ist das Cafe? Ich war so entkräftet, dass ich nicht sicher war, ohne Sturz vom Fahrrad absteigen zu können. Nach einer kleinen Pause gings dann aber wieder und es bewahrheitete sich wie so oft, dass große Freuden durch große Leiden erkauft werden. Der frische, noch warme Pflaumenkuchen war so lecker, dass unbedingt eine zweite Portion her musste. Und immerhin, dass mit den zwei älteren Damen stimmte.

Für die meisten Krähen war die Kermeter-Tour hiermit zuende. Nur ein paar wenige Krähen wagten anschließend den Aufstieg nach Simmerath und schließlich den Weg nach Kornelimünster zurück. Natürlich kam es wie es kommen musste, denn was fehlt bei einer solchen Mountain-Bike-Tour im November? Richtig!- eine Panne und dass man bis unter die Federn nass wird. Aber das war jetzt auch egal. Gegen 16.30 Uhr kam ich nach etwa 90- 100 Kilometern völlig erschöpft, aber glücklich zuhause an und konnte eigentlich nicht mehr an viel anderes denken als an mein warmes Nest.

Obwohl mich die Krähen nach dieser Tour eigentlich schon überzeugt hatten, musste ich doch noch mal - sozusagen sicherheitshalber - bei Wikipedia unter dem Stichwort „Krähen“ nachschauen. Dort ist folgendes zu lesen:

Einer wissenschaftlichen Untersuchung zufolge sind Raben und Krähen die Vögel mit der größten Intelligenz. Beispielsweise zeigen sie in Experimenten die Fähigkeit, komplexe Handlungen im Voraus zu planen. Beim Verstecken von Futter zeigen sie sowohl große Merkleistungen, als auch die Fähigkeit, sich in andere hinein zu versetzen. Ein Rabe scheint zu wissen, dass ein Futterversteck nur dann sicher ist, wenn er beim Verstecken nicht beobachtet wird. Zudem legen sie ein erstaunliches Lernverhalten an den Tag (z.B. Herstellung von Werkzeug, Nutzen des Straßenverkehrs zum Knacken von Nüssen und Früchten). Weiterhin wurden sie dabei beobachtet und gefilmt, wie sie auf stark befahrenen Straßen auf das Grünsignal der Ampel warteten bis sie die so bearbeitete Nahrung von der Straße holten. Kurz nachdem das Verhalten bei einem Individuum festgestellt worden war, wurde es auch in einem Radius von mehreren Kilometern um den Entdeckungsort herum beobachtet. Dies wird als Beweis für ein bisher ungeahnt schnelles Lernvermögen interpretiert. Häufig sieht man sie auch als Begleiter von Wölfen oder anderen Raubtieren, um diesen dann, mit ihrer berüchtigten Frechheit, in Gruppen die erlegte Beute abzujagen. Die Universität Bochum führte auch ein Experiment durch, bei dem Raben ein roter Punkt aufgeklebt wurde. Nachdem sie sich im Spiegel sahen, versuchten sie sich den Punkt vom Hals zu picken. Sie verstanden also, dass sie gerade nur ein Abbild von sich selber sehen - eine Leistung, zu der z. B. Katzen nicht in der Lage sind.

Dies hat mich restlos überzeugt, so dass ich ohne weiteres Zögern das Antragsformular ausgefüllt habe und vergangenen Dienstag dem Verein beigetreten bin.

Liebe Grüße,
Albrecht